Brauchtum

Geschichte

Der „Zweitjenner“ ist ein Jahrhunderte alter Brauch der ausschliesslich in der Gemeinde Sigriswil vorkommt. Ursprünglich diente dieser heidnische Brauch dazu, die bösen Geister zum Jahresanfang zu vertreiben. Der Brauch war bei den Kirchen und vielen Bürgern ungern gesehen, weshalb dieser in den Geschichtsbüchern ignoriert wurde und keine Aufzeichnungen bestehen. Gemäss den Überlieferungen hat sich der Brauch im laufe der Zeit aber kaum gewandelt.

Hauptversammlung

Die jungen, ledigen Männer schliessen sich jeweils anfangs Dezember Dorfweise zu Neujahrsgesellschaften zusammen. Neue Mitglieder müssen zuerst von den bestehenden Mitgliedern per Abstimmung in die Gesellschaft aufgenommen werden. Dies geschieht an der Hauptversammlung welche in Schwanden normalerweise am ersten Sonntag im Dezember abgehalten wird. Bei dieser Versammlung werden dann auch gleich die Mitglieder des Vorstandes gewählt und diverse Ämter verteilt. Und so mit hat die Neujahrssaison begonnen.

Schwarznen

In der „Altjahrswoche“ (letzte Woche des Jahres) sind dann die Männer jeweils am Abend bei den ledigen Frauen des Dorfes zum „Schwarznen“ eingeladen. Wie es der Name sagt, sitzt man dann häufig bis in die Morgenstunden beisammen und trinkt Kaffee mit Schnaps.

Silvester

An Silvester zieht die Gesellschaft mit einem Burgunder bekleidet mit Treicheln und Glocken durch das Dorf und läutet das alte Jahr aus- und das neue Jahr ein. Diesen Teil der Tradition nennt man „Glocknen“.

1. Januar

Am Abend des 1. Januar gibt es in der Mehrzweckhalle Schwanden ein grosses Fest. Für die Unterhaltung wird eine Musikgruppe engagiert. Für das leibliche Wohl sorgt die Neujahrsgesellschaft mit warmer Küche und ordentlich zu trinken. Im Verlaufe der Nacht nehmen sich einige noch kurz Zeit um einen weile zu schlafen.

2. Januar

In der Morgendämmerung des 2. Januar, wenn die einen noch- und die anderen endlich schlafen macht sich die Gesellschaft verkleidet auf den Weg um den ganzen Tag von Haus zu Haus zu ziehen. Allen voran der „Stecken“; dies ist ein langer Holzstab, der normalerweise von zwei Männern getragen wird, die schon etwas länger in der Gesellschaft sind. An diesem Stab werden die Würste die man unterwegs von den Einwohnern bekommt aufgehängt. Es gibt für jedes Dorf eine vorgegebene Route. Nach dem anstrengenden Tag kommen die Neujahrsgesellschaften von Tschingel, Aeschlen und Schwanden in der Mehrzweckhalle zusammen und dann veranstaltet man im ähnlichen Rahmen wie am ersten Januar wieder ein Fest. Als Unterhaltung wird zusätzlich noch ein Kostümwettbewerb veranstaltet. Wenn die ersten Sonnenstrahlen des 3. Januar das Land erhellen gönnen sich die meisten „Neujahrer“ normalerweise eine kleine Ruhepause, um den spürbaren Schlafmangel etwas auszugleichen. Doch kurze Zeit später geht es direkt ans Aufräumen der Halle.

Ausrechnung

Ca. eine Woche später, am „Jenner Samschtig“ (oder auch an der Ausrechnung) laden die Burschen die ledigen Mädchen zum gemeinsamen Abendessen ein. Dies geschieht wiederum in der Mehrzweckhalle. Man tut dies um den Mädchen für die Unterstützung zu danken. Nebst dem „Schwarznen“ helfen sie auch beim servieren am 1. Und 2. Januar.